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Gründung des Bürgervereins Wilhelmsburg im Jahr 1998

Anlass für die Gründung des Bürgervereins Wilhelmsburg im Jahre 1998 war die Wut vieler engagierter Wilhelmsburger Bürger über den Umgang des Hamburger Senats mit den elementaren Belangen der Wilhelmsburger Bevölkerung. Was war geschehen?

Nach der großen Sturmflut vom 16. auf den 17. Februar 1962, deren Jahrestag kurz bevorsteht, hatte ein Drittel der Wilhelmsburger Bevölkerung ihrem Stadtteil dauerhaft den Rückengekehrt. Dieser Aderlass führte zu einer erheblichen Veränderung der Bevölkerungsstruktur, die ihren äußeren Ausdruck u.a. in Neubaugebieten wie Kirchdorf-Süd und den seit einigen Jahren ausgewiesenen Sanierungsgebieten im Reiherstiegviertel und dem alten Bahnhofsgelände gefunden hatte.

Für die verbliebene Bevölkerung war der nach 1962 in Angriff genommene Neubau eines höheren Ringdeichs um die gesamte Elbinsel herum von elementarer Bedeutung für ihre Sicherheit. Hatte es doch in Wilhelmsburg die größte Zahl an Flutopfern gegeben. Nach Herstellung des neuen Deiches stellte sich bald heraus, dass seine Höhe mittelfristig nicht ausreichen würde, weil sich die Sturmfluten höher entwickelten als vorausgesehen. Allein 1979 gab es drei Sturmfluten, die einen über 1962 hinausgehenden Pegelstand erzielten. Mehrere Wilhelmsburger Institutionen, voran der Deichverband Wilhelmsburg, drängten deshalb rasch auf die weitere Erhöhung der vorhandenen Deiche.

Etwa gleichzeitig kam bei verschiedenen Interessengruppen das Verlangen nach einer Deichrückverlegung auf, um der Elbe insgesamt wieder mehr Retentionsraum zu gewähren. In die Planung flossen 10 Deichabschnitte auf Hamburger Gebiet ein, wobei auf der Elbinsel Wilhelmsburg die Rückverlegung des Kreetsander Hauptdeichs untersucht wurde. Nach massiven Protesten seitens der Wilhelmsburger versprach der Hamburger Senat unter Leitung des Ersten Bürgermeisters Voscherau, gegen den Willen der Bevölkerung keine Deichrückverlegung vornehmen zu lassen. Hierauf hatten sich alle verlassen.

Bei der nächsten Bürgerschaftswahl im September 1997 musste die SPD deutliche Verluste hinnehmen, sie war auf die GAL zur Bildung eines Senats angewiesen. Henning Voscherau trat zurück, Ortwin Runde wurde zum Ersten Bürgermeister gewählt. Dieser hielt sich jedoch nicht an das Versprechen seines Vorgängers, sondern versuchte u.a. mit Hilfe eines Mediationsverfahrens die Position der Deichrückverlegung einvernehmlich durchzusetzen. Der Deichverband und ein Großteil der Wilhelmsburger Bevölkerung wandten sich dagegen, weil mit der damit zwangsläufig verbundenen Verlängerung der Deichlinie um Wilhelmsburg ein höheres Gefährdungspotential für die Inselbewohner bei Sturmflut verbunden war.

Für die notwendige Interessenvertretung der Wilhelmsburger gab es damals keinen geeigneten Verband oder Verein. Daher entschlossen sich die Herren Hans-Ulrich Seumenicht, Horst Busch, Gerhard Schulenburg, Karl-Heinz Tobuschat, Helmut Poggensee, Ulrich Wehnert-Schulenburg, Rolf Petersen, Hans-Peter Hemker und Carsten Schmidt, den Bürgerverein Wilhelmsburg zu gründen. Das geschah am 11. September 1998 im historischen Gasthaus Sohre/Bode in Kirchdorf/Wilhelmsburg. Innerhalb kürzester Zeit wurden über 4.000 Unterschriften gegen die Pläne zur Deichrückverlegung gesammelt und diverse Demonstrationen durchgeführt.

Im Ergebnis hat sich die GAL allerdings mit ihrer Forderung nach einer Deichrückverlegung als Ausgleich für die Aufschüttung des sog. Mühlenberger Lochs als Airbus-Erweiterungsfläche durchgesetzt. Die übrigen neun ins Auge gefassten Deichabschnitte auf Hamburger Gebiet wurden nicht weiter verfolgt.

Trotz dieser Niederlage gehört ein hohes Schutzniveau für die Wilhelmsburger Bürger bei Sturmflut und Hochwasser bis heute zu den zentralen Anliegen des Wilhelmsburger Bürgervereins. Im Laufe der Zeit sind allerdings noch viele andere hinzugekommen (siehe: Unsere Ziele), deren konsequente Verfolgung wir auch in Zukunft sicherstellen wollen.